Bandscheibenendoprothesen

Indikationsbeschränkungen ergeben sich durch das Patientenalter, eine radiologische nachweisbare Osteoporose sowie eine multisegmentale Bandscheibendegeneration. Eine Beurteilung der angrenzenden Bandscheiben und Wirbelbogengelenke durch ein MRT ist unerläßlich. Pathologische Veränderungen des Bandscheibensignals in angrenzenden Wirbelsäulensegmenten erfordern eine exakte Diagnostik der discogenen Schmerzursache. Eine Beurteilung der Wirbelbogengelenkfunktion ist für die Indikationsstellung entscheidend, da eine Arthrose, eine Gelenkinstabilität oder eine Wirbelbogengelenkresektion Implantationsausschlusskriterien sind. Das Instrumentarium muss den anatomischen Bedingungen ( Ureter, Aorta, V. cava ) Rechnung tragen, die Implantation selbst primärstabile Segmentverhältnisse garantieren. Eine vorläufige Entscheidung zur stationären Indikationsüberprüfung erfolgt unter Zugrundelegung der nachstehenden Kriterien:

1.      Orthopädische, erfolglose, konservative Behandlung > 6 Monate.

2.      Segmentbezogene Schmerzsymptomatik.

3.      Alter < 45 Jahre.

4.      NMR gesicherte  mono- oder bisegmentale Bandscheibendegeneration.

5.      Bandscheibenprolaps mit mono- oder bisegmentaler Bandscheibendegeneration.

6.      Ausschluss psychischer Erkrankung.

7.      Einwilligung in eine positive praeoperative, stationäre Diagnostik.

Die endgültige Indikationsstellung ist abhängig von einer 2–4 Tage dauernden stationären, segmentalen Diagnostik, die der Differenzierung des Schmerzbildes, insbesondere aber dem Nachweis einer diskogenen Schmerzsymptomatik, dient. Eine Aufklärung der Patienten über die Wertigkeit der einzelnen diagnostischen Schritte erfolgt aus Objektivitätsgründen nicht. Erst nach Beendigung der Diagnostik werden dem Patienten die Möglichkeiten konservativer und operative Maßnahmen ausführlich erläutert. Die praeoperative Diagnostik umfasst Infiltrationen der Wirbelbogengelenke mit und ohne Lokalanästhetikum unter Durchleuchtungskontrolle, eine wiederholte Extensionstherapie mit verschiedener Extensionskraft, die Verwendung normierter Fragebögen sowie eine Diskografie des betroffenen Segments. Die von Zeegers (1999) angegebene Diskografie mehrerer, auch nichtbetroffener Bandscheiben wird aufgrund des bestehenden Infektionsrisikos im eigenen Vorgehen nicht durchgeführt. Die stationäre Diagnostik hat in den eigenen Händen nur bei ca. 40 % zur Versorgung mit einer Bandscheibenendoprothese geführt. Verschiedene diagnostische Situationen sind möglich (- = schmerzlindernd, + = schmerzverstärkend, ./. = unverändert; bei der Diskografie wird der segmentale memory pain bewertet).

Die Überprüfung dient einer exakten Differenzierung einer arthro- oder diskogenen Schmerzursache. Bei Nachweis eines arthrogenen Schmerzes ist die Implantation einer Bandscheibenendoprothese kontraindiziert, in gleicher Weise wird bei einer uneinheitlichen praeoperativen Diagnostik sowie dem Abbruch von diagnostischen Maßnahmen verfahren. Kontraindikationen ergeben sich aus der Logik der Methode:

1.      Alter > 45 Jahre.

2.      Fehlende segmentale Schmerzsymptomatik.

3.      Multisegmentaler Bandscheibenverschleiß.

4.      Nachweisbare Wirbelbogengelenkarthrose.

5.      Rotationsinstabilität oder spinale Stenose.

6.      Spondylolyse oder Spondylolisthesis.

7.      Psychische oder psychsomatische Grunderkrankung.

Insbesondere beim Vorliegen eines primären Bandscheibenvorfalls bei nachweisbarer Bandscheibendegeneration mit black disk Phänomen, Ödem der angrenzenden Grund- und Deckplatten sowie eindeutiger segmentaler Zuordnung sollte die Implantation einer Endoprothese geprüft werden. Die Operationsindikation bei einem Postdiskotomiesyndrom und einer langdauernden Schmerzfehlverarbeitung ist kritisch zu sehen.

hier weitere Infos zur operativen Therapie mit der Bandscheibenendoprothese