Historische Betrachtung der Behandlung der Spondylolisthesis

 

Eine Spondylolyse, eine Spaltbildung im Wirbelbogen, existiert bei 5 - 8 % der Bevölkerung (ROWE und ROCHE 1953, TAILLARD 1957, HOEFFKEN und WOLFERS 1974). Bei 50 - 60 % der Erkrankten kommt es in der Folge zu einem Gleiten des betroffenen Wirbels (TAILLARD 1957). Bei manchen Eskimostämmen wird eine Häufigkeit der Spondylolisthesis bei bis zu 50 % der Bevölkerung beobachtet (KETTELKAMP und WRIGHT 1971). Nach WILTSE u. Mitarb. (1976) erfolgt eine Unterteilung der Spondylolisthesis in fünf Gruppen (I. dysplastisch, II. Fraktur in der Pars interarticularis, III. degenerativ, IV. Fraktur außerhalb der Pars interarticularis, V. pathologisch) nach der vermutlichen Genese der Erkrankung. MEYERDING (1932) beschrieb eine Einteilung der Spondylolisthesis, bei der Grad I einem Gleiten von 25 %, Grad II einem Gleiten zwischen 25 - 50 %, Grad III einem Gleiten zwischen 50 - 75 % und Grad IV einem Gleiten über 75 % entspricht.

 

Die Ätiologie der Spondylolisthesis ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden anlagebedingte Faktoren auf der Grundlage einer dysplastischen Interartikularportion. Der jüngste Patient, der beobachtet wurde, war 4 Monate alt (BOROKOW und KLEIGER 1971). WERTZBERGER und PETERSON (1980) berichteten über das Auftreten der Erkrankung bei Kindern unter 5 Jahren. Die Häufigkeit der Spondylolisthesis nimmt bis zu dem 20. Lebensjahr zu, bleibt dann aber konstant (WILTSE 1957, 1961). Hereditäre Faktoren wurden von SHAHRIAREE u. Mitarb. (1979) beschrieben. Eine Spondylolisthesis kann auch Folge einer Laminektomie in der Lendenwirbelsäule sein (WHITE und WILTSE 1976).

 

Der Erfolg der konservativen Therapie wird sowohl positiv (BLACKBURNE und VELIKAS (1977) als auch negativ beurteilt (DANDY und SHANNON 1971). Eine Indikation zur operativen Intervention besteht bei Beschwerden, die durch konservative Maßnahmen nicht beeinflussbar sind. Eine absolute Operationsindikation besteht bei dem Auftreten neurologischer Symptome. Zur Verfügung stehen dorsale, ventrale und kombinierte Operationsverfahren. BRADFORD (1988) schlug die geschlossene Reposition des abgeglittenen Wirbels durch externen Zug an der Wirbelsäule vor. Die Reposition war bei diesem Verfahren aber nicht adäquat zu den operativen Methoden. Bei Spondylolysen sowie leichten Spondylolisthesen kann eine Verschraubung nach BUCK (1979) durchgeführt werden.

 

JOHNSON u. Mitarb. (1988) gaben  an, dass bei der alleinigen Operation ohne Verwendung eines Instrumentariums bei 78% der Patienten mit einem guten Ergebnis zu rechnen sei. HANLEY und LEVY (1989) schlagen bei alleiniger Instabilität die in situ – Fusion und nur bei einer radikulären Symptomatik die Wurzelrevision in Verbindung mit einer Fusion vor. Befriedigende Ergebnisse bei dieser Operationstechnik wurden bei 60 % der Patienten angegeben.

 

Als dorsale Operationsverfahren zur Reposition des abgerutschten Wirbels wurden das Schöllner - Verfahren (SCHÖLLNER 1975), das  Harrington - Distraktions - Verfahren und das Knodt - Verfahren beschrieben (DEL TORTO 1971, HARRINGTON und TULLOS 1971, HARRINGTON und DICKSON, DEWALD u. Mitarb. 1981).

 

Weiterhin stehen ventrale Operationsverfahren (HARMS u. Mitarb. 1985, FREEBODY u. Mitarb. 1971) und die Vertebrektomie (HUIZENGA 1983) zur Verfügung. Das CD - Verfahren 1984 von COTREL DUBOUSSET (1984) zunächst zur Behandlung der idiopathischen Skoliose angegeben. AKBARNIA (1986), BITAN u. Mitarb. (1986), CHOPIN und DAVID (1986), ROY u. Mitarb. (1986), HOPF u. Mitarb. (1987) sowie PEREZ-GRUESO u. Mitarb. (1987) gaben gute und ausgezeichnete Ergebnisse bei der Beurteilung der Ergebnisse bei jugendlichen Patienten mit Skoliosen an. CHOPIN (1987) und PRICE und PHILLIPS (1987) berichteten über die Ergebnisse nach der dorsalen Spondylodese mit dem CD - Instrumentarium bei Erwachsenen.

 

Nach  BRADFORD (1979, 1981) kann mit einem kombinierten dorsoventralen Vorgehen eine Reposition bis zu 50 % des Ausgangswertes erreicht werden. Er  sieht nur bei Patienten mit schweren Lumboischialgien sowie dem Gleiten eines Wirbels von über 75 -80 % eine Indikation zu einem kombinierten dorsalen und ventralen Vorgehen (1987).  Seiner Erfahrung nach  ist bei einem Gleiten des 5. Lendenwirbels über 50 % hinaus das effektivste Verfahren in einer lumbosacralen Fusion bis zum 4. Lendenwirbel  zu sehen. HUIZENGA (1983) sowie GAINES und NICHOLS (1985) beschrieben die Vertebrektomie des abgerutschten Wirbels. BRADFORD (1987) sah in diesem Verfahren jedoch nur eine  Ultima ratio aller Behandlungsmöglichkeiten.

 

Literaturangaben